Weltausstellung Reformation – Tore der Freiheit

Luftaufnahme Wittenberger Stadtkirche

An sieben Standorten entlang der Wallanlagen wurden bildlich die Tore der Stadt Wittenberg zur Weltausstellung Reformation geöffnet.

Sieben sogenannte „Tore der Freiheit“ luden Besucher vom 20.05. bis 10.09.2017 dazu ein, sich mit der Kirche, ihrem Glauben und der heutigen Lage der Welt auseinanderzusetzen. Jedes „Tor“ hatte einen bestimmten Themenbereich, zu dem es Informationen, Musikaufführungen, Theaterstücke, Vorträge und Diskussionen gab. In 16 Themenwochen wurde jeweils ein Themenbereich behandelt. Den Auftakt bildete eine Festwoche, die die Kirchentage auf dem Weg und den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg einbezog.

Studierende von acht Universitäten gestalten die Torräume

Die Bereiche an den Toren, die Torräume, bestanden aus offenen Flächen entlang der Wallanlagen Wittenbergs, auf denen zu verschiedenen Themen neue Konstruktionen entstanden sind. Für die Gestaltung der sieben Torräume haben die Initiatoren einen Ideenwettbewerb an deutschsprachigen Hochschulen mit den Studiengängen Architektur, Szenografie, Design und Bildende Kunst ausgeschrieben. Aus 21 Einsendungen wurden im Juli 2015 acht Gewinner ausgezeichnet. Der erste Preis für das Thema Kultur ging an zwei Universitäten, die ihre Ideen nun zusammengeführt und sich die Fläche geteilt haben. 

In den Torräumen der Weltausstellung Reformation gab es viel zu entdecken

  • Im Torraum 1 in der Nähe des Hauptbahnhofs wurden die Gäste Willkommen geheißen. Hier entstand nach Plänen der Bauhaus-Universität Weimar ein Turm, der es Besuchern ermöglicht hat, die Stadt und die Welt aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen, so wie Martin Luther es einst sinnbildlich tat.
  • Der Torraum 2 beschäftigte sich mit der Spiritualität und der Individualität der Begegnung mit Gott. Dazu wurden von der Hochschule Düsseldorf Wege und Stege auf dem Bunkerberg der Lutherstadt Wittenberg errichtet, die jeder Besucher weiterhin individuell ablaufen kann. Ihre Erfahrungen werden dabei so unterschiedlich sein wie die Beziehungen zu Gott es sind.
  • Torraum 3 widmet sich der Jugend. Die Irrungen und Wirrungen, die Menschen besonders in jugendlichen Jahren durchleben, wurden von der Fachhochschule Mainz sinnbildlich dargestellt. Auf den Plätzen Muth’scher Grund, Amselgrund und beim KTC haben unterschiedlich hohe Stämme den direkten Weg so manches Mal versperrt. Doch auch auf Umwegen gelangt man an sein Ziel.

Die Weltausstellung Reformation beschäftigte sich auch mit aktuellen Themen

  • Der wohl aktuellste Beitrag zur Weltausstellung Reformation entstand im Torraum 4 zum Thema Frieden, Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung. Ein Grundsatz des evangelischen Glaubens ist die Verantwortlichkeit vor Gott für das, was wir tun und wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Mit ihrer Ausstellung echter Flüchtlingsboote im Schwanenteich Wittenbergs wollten Studierende der Fachhochschule Salzburg den Besuchern ihre Verantwortlichkeit gegenüber diesen hilfesuchenden Menschen verdeutlichen.
  • Die Globalisierung stand im Torraum 5 im Fokus, der von der Universität Wien gestaltet wurde. Auf Pkw-Anhängern aufgesetzte Glaskuben symbolisierten den Glauben, der sich globalen Anforderungen stellte und mit den unvorhersehbaren Situationen im Stadtraum und in der Welt auseinandersetzte.
  • Der Torraum 6 hat sich mit einer Lichtinstallation dem Thema Ökumene und Religion genähert. 500 beleuchtete Acrylröhren formten fünf so genannte Wunschwolken über den Hauptzugängen zum Luthergarten. Sie symbolisierten die konfessionsübergreifende Zeremonie des Wünschens und Bittens.
  • In Torraum 7 zum Thema Kultur wurden die Projekte der Hochschule für Technik Stuttgart und der Universität der Künste in Berlin verwirklicht. Zum einen entstanden hier durch z. T. verspiegelte Stelen Themeninseln, die die Besucher aktiv begehen konnten. Zum anderen wurde ein dreiteiliges Konzept realisiert, in dessen Mittelpunkt ein unerreichbarer tropischer „Paradiesgarten“ stand.

Weitere Veranstaltungen rund um die Torräume

Auch außerhalb der Torräume der Weltausstellung Reformation wurde Ihnen einiges geboten: In provisorischen und historischen Gebäuden, auf den Plätzen und in den Straßen rund um die Wittenberger Innenstadt fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Kirchen aus aller Welt, internationale Institutionen, Organisationen, Initiativen und viele Kulturschaffende präsentierten ihre aktuelle Sicht auf die Reformation in Diskussionen, Debatten und Sessions auf Podien und in Veranstaltungszelten. Bei Mitmach-Angeboten wurden Besucher in die Weltausstellung einbezogen. Außerdem gab es auf Begegnungsflächen die Möglichkeit, mit Organisatoren, Ausstellern und anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. Alle waren eingeladen, die Welt, die Gesellschaft und die Kirche zu verändern. Bei der Weltausstellung Reformation wurde nämlich nicht nur der Vergangenheit gedacht, sondern auch die Zukunft gestaltet.