Wallanlagen der Lutherstadt Wittenberg

Zeichnung von Wittenberg 1536

Der Bau der Wallanlagen ab 1526 diente der Abwehr militärischer Angriffe im Zuge der Reformation. 

Die Reformation hatte in der Lutherstadt Wittenberg nicht nur religiöse und gesellschaftliche Umwälzungen zur Folge. Fürsten schlossen sich zusammen, um den alten Glauben zu verteidigen, und in der Lutherstadt befürchtete man auch militärische Angriffe auf die Stadt Wittenberg.

Stadtbefestigung Wittenberg Zeichnung

Unter Kurfürst Johann dem Beständigen, der von 1525 bis 1532 Kurfürst von Sachsen war, wurde die Erneuerung der Stadtbefestigung begonnen. In den Jahren von 1526 bis 1547 sollte an der Stelle der mittelalterlichen Stadtmauer eine Wallanlage entstehen. Entlang der Stadtgrenzen wurde ein Wall aufgeschüttet, dessen Unterteil von einer breiten Mauer abgestützt wurde. Vor dem Wall verlief ein Wassergraben, der vom Elbwasser durch ein Schleusensystem gespeist wurde, und im Norden beim Franziskanerkloster sowie nach Westen vor dem Schloss ragten Rondelle zur Abwehr hervor. An einigen Abschnitten wurden Streichwehren und Bastionen errichtet, so zum Beispiel auch an der Südwestecke des Lutherhauses.

Resonanz des Befestigungsbaus in der Bevölkerung

Der langjährige Befestigungsbau der Wallanlagen war eine große Belastung für die Bevölkerung und sorgte für Unruhen. Einwohner, deren Grundstücke nahe der breiten Wälle lagen, mussten zum Teil umgesiedelt werden. Martin Luther selbst stand dem Befestigungsbau skeptisch gegenüber. Er mahnte, man solle die Sicherheit nicht auf Befestigungen und Burgen gründen, sondern auf Gott vertrauen. In diesem Zusammenhang entstand 1528 Luthers Lied "Eine feste Burg ist unser Gott".

Belagerung von Wittenberg

Der Bau der Wallanlagen zog sich lange bis ins Jahr 1547 hin, bis tatsächlich ein feindliches Heer vor den Toren Wittenbergs stand. 

Im Jahr 1546 hatte Karl V. begonnen, die Anhänger der Reformation mit Waffen zu bekämpfen, um die Einheit der Römischen Kirche wiederherzustellen und seine kaiserliche Macht zu festigen. Über den Kurfürsten Johann Friedrich I., dessen Residenzstadt Wittenberg bis 1547 war, verhängte der Kaiser Karl V. die Reichsacht.

Die Lutherstadt Wittenberg wurde angesichts des heranrückenden Heeres in den Belagerungszustand versetzt. Von den Türmen des Schlosses und der Stadtkirche nahm man die gotischen Turmspitzen ab, um eine Plattform für Geschütze zu schaffen. Die Vorstädte außerhalb der Wallanlagen wurden in diesem Jahr gänzlich abgebrannt.

Luthergarten
Stege auf dem Bunkerberg
Steg Bunkerberg
Schwanenteich

Die Wallanlagen heute

In der Umfassung der Altstadt finden sich heute nur wenige Spuren der einstigen Wallanlagen. Der entstandene Freiraum wurde im Rahmen des Reformationsjubiläums genutzt. So wurden entlang der Wallanlagen mehrere Grünflächen angelegt, in denen bis zum Lutherjahr 2017 500 Bäume gepflanzt wurden, welche nun zum Luthergarten heranwachsen. 

Im Jubiläumsjahr fand entlang der sieben früheren Stadttore die Weltausstellung Reformation - Tore der Freiheit statt. Als Torraum 2, der von der Hochschule Düsseldorf entworfen wurde, sind auf dem Bunkerberg zum Thema Spiritualität verspiegelte Stege angelegt worden. Diese können von den Besuchern individuell durchlaufen werden und bleiben der Lutherstadt Wittenberg für immer erhalten. 

Am Torraum 4 stellt ein Beitrag das Thema Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung dar. Mit ihrer Ausstellung echter Flüchtlingsboote im Schwanenteich Wittenbergs wollen Studierende der Fachhochschule Salzburg die Verantwortlichkeit gegenüber hilfesuchenden Menschen verdeutlichen.