Themenjahr der Lutherdekade 2016: Reformation und die Eine Welt

Countdownuhr Luther2017
Foto: Cornelia Kirsch

Das Themenjahr 2016 befasst sich mit der Reformation als Weltereignis sowie der Reformation in der globalisierten Welt von heute.

Das vorletzte Jahr der Lutherdekade wurde am 31.10.2015 mit einem Festakt in Straßburg eröffnet. Dieses Jahr steht wie die vorangegangenen Jahre der Lutherdekade unter einem vorher bestimmten Motto. Im Lutherjahr 2016 beschäftigt sich die evangelische Kirche mit der Reformation und der Einen Welt. Dabei geht es einerseits darum, die Reformation als Weltereignis zu verstehen, zum anderen um die Aktualität des für die damalige Zeit revolutionären Gedankenguts. Denn gerade heute sind Gleichberechtigung, Verständnis und Nächstenliebe wieder äußerst wichtige Themen, um ein Zeichen gegen Intoleranz und Hass zu setzen.

Die globale Reformation vor 500 Jahren

Die Lutherstadt Wittenberg gilt heute als Ausgangspunkt der Reformation vor fast genau 500 Jahren. Die Reformation an sich ist jedoch kein regionales Ereignis, welches mit Martin Luther seinen Anfang nahm. Schon lange, bevor er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche nagelte, erhoben sich Stimmen gegen den Papst, den Ablasshandel und die katholischen Richtlinien wie zum Beispiel die Gottesdienstform oder das Priesterzölibat. Dass Martin Luther auch heute noch als Initiator der Reformation gilt, ist vor allem den politischen und gesellschaftlichen Umständen der Zeit und der Region zu verdanken. Durch den Buchdruck konnten sich Luthers Ideen schnell und einfach vervielfältigen lassen und seine Schriften wurden schon 1517 ins Englische, Niederländische und Französische übersetzt. So trug Martin Luther zwar entscheidend zur Reformation bei, doch in vielen anderen europäischen Orten und Ländern entstanden etwa zur gleichen Zeit eigene reformatorische Bewegungen. Ohne die Anstrengungen von Reformatoren wie Huldrych Zwingli, Johannes Calvin oder Menno Simons hätte sich der protestantische Glaube nicht so schnell in der Welt verbreitet.

Reformation heute

Viele der Werte, die wir heute in Europa als selbstverständlich ansehen, haben ihren Ursprung in den Ideen der Reformation. Erst nachdem sich die Gedanken der Reformation in den Köpfen der Menschen festgesetzt hatten, erfuhren viele europäische Länder die Trennung von Staat und Kirche und führten grundlegende Bürgerrechte unabhängig von Glauben, Geschlecht und Volkszugehörigkeit ein. Auch das Themenjahr 2016 der Lutherdekade geht als weltweite Festveranstaltung neue Wege, da es zum ersten Mal mit Vorträgen, Ausstellungen, Konzerten und mehr auf der ganzen Welt gefeiert wird. Auf globalen Veranstaltungen wird unter anderem der Frage nachgegangen, inwieweit sich die evangelische Kirche in der globalisierten Welt einfügt und wie sie mit den weltweiten Entwicklungen umgeht. Gleichzeitig wird natürlich auch auf die derzeitige politische Lage in Europa und der Welt eingegangen, etwa wenn über die Flüchtlingspolitik, den Klimawandel oder den Aufstieg extremistischer Parteien in Europa diskutiert wird.

Das Themenjahr 2016

Schlosskirche zu Wittenberg

Im vorletzten Themenjahr der Lutherdekade finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich mit der Reformation und ihrer globalen Ausrichtung beschäftigen sowie damit, was Reformation heute für uns bedeutet. In Ausstellungen, auf Vorträgen und  Festveranstaltungen werden Besucher dazu animiert, über die reformatorischen Grundgedanken zu diskutieren und sie auf die heutige Zeit anzuwenden. In der Lutherstadt Wittenberg wird vom 30. September - 02. Oktober 2016 das Jubiläum 200 Jahre Predigerseminar gefeiert. Zu diesem Anlass öffnet dann auch die sanierte Schlosskirche wieder ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Das Besondere in diesem Jahr ist, dass die Veranstaltungen sich nicht nur auf Deutschland beschränken, sondern auch im Ausland ausgetragen werden. Zum Teil finden sie sogar im Internet statt – sozusagen als das Zeichen der Globalisierung schlechthin. So gibt es etwa das Projekt schools500reformation zur Vernetzung von evangelischen Schulen auf der ganzen Welt. Mit dabei sind unter anderem Bildungseinrichtungen aus Brasilien und Thailand, Kinshasa und Hannover.

Ein besonderes Highlight des Themenjahres 2016 ist die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ vom 24. April bis 28. August 2016. Die Ausstellung informiert Sie über die heute fast vergessene Herrscherdynastie der Ernestiner, die mehr als 400 Jahre lang die Geschicke Thüringens, Deutschlands und der Welt beeinflusste. Unter anderem traten sie für den Protestantismus ein und nahmen flüchtige Protestanten in ihrem Herrschaftsgebiet auf. Das Neue Museum und das Residenzschloss in Weimar sowie das Herzogliche Museum und das Schloss Friedenstein in Gotha organisieren thematische Ausstellungen mit zahlreichen wertvollen Exponaten, die den Einfluss der Herrscherfamilie auf die Reformation unterstreichen.