Themenjahr der Lutherdekade 2015: Reformation – Bild und Bibel

Cranach Altar in der Wittenberger Stadtkirche

Im Themenjahr 2015 steht der Zusammenhang zwischen Bild, Bibel und der Verbreitung des Reformationsgedanken im Mittelpunkt.

Jedes Jahr der Lutherdekade steht unter einem anderen Themenschwerpunkt. Das Jahr 2015 hat in Anlehnung an den 500. Geburtstag des Malers und Manufakturbesitzers Lucas Cranach der Jüngere den Schwerpunkt Bild und Bibel. Dabei wird in verschiedenen Veranstaltungen der Einfluss von Bildern auf die Verbreitung des Reformationsgedanken behandelt. Außerdem wird ein Augenmerk auf die Bibel und Martin Luthers Übersetzung gelegt.

Luther und der Buchdruck

Im Zentrum des reformatorischen Glaubens steht die Überzeugung, dass jeder Mensch die Bibel lesen und deuten können soll. In diesem Sinne fertigte Martin Luther eine deutsche Übersetzung der Bibel an, damit jeder deutschsprachige Mensch sie zumindest im Ansatz verstehen konnte. Denn das Lesen der Bibel war bisher nur den Gelehrten und Klerikern vorbehalten gewesen, die die antiken Sprachen und Latein beherrschten. Luthers Übersetzung der Bibel war nicht die erste ihrer Art, wurde aber vor allem durch den aufkommenden Buchdruck unterstützt. Dadurch konnte die Bibel günstig und in großer Auflage produziert und an Gläubige auch aus den niederen Ständen verteilt werden. Ein neues mediales Zeitalter war angebrochen.

Bilder ebnen den Weg für die Reformation

Bildung war zu Luthers Zeiten den Reichen und Mächtigen vorbehalten, was dazu führte, dass die unteren Klassen des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren. Damit auch sie Zugang zum reformatorischen Gedankengut hatten, wurde eine crossmediale Informationskampagne gestartet. In der Manufaktur der Maler Lucas Cranach der Ältere und Lucas Cranach der Jüngere wurden in Massenproduktion Flugblätter mit Holzschnitten und Bildern produziert, die den Menschen über eine neue protestantische Bildsprache die Überzeugungen der Reformatoren beibrachten. Die neuen Bildformeln wurden auch in Gemälden angewandt, um den Menschen zu zeigen, dass Gott gütig und nicht furchteinflößend ist.

Die außerdem in der Manufaktur der Familie Cranach hergestellten Bildnisse und Portraits Martin Luthers und seiner Weggefährten gaben der Reformation ein Gesicht und machten die neuen Ansichten zugänglicher. Die Reformatoren starteten sozusagen eine frühe 360°-Kampagne, die alle Medien der damaligen Zeit einbezog: Bücher, Bilder und Flugblätter machten die reformatorischen Überzeugungen im Volk bekannt.

Lutherstadt Wittenberg wird zur Cranachstadt

Im Jubiläumsjahr des Geburtstages von Lucas Cranach dem Jüngeren wird im Jahr 2015 zur Lutherdekade die Landesausstellung „Cranach der Jüngere 2015“ stattfinden. Die weltweit erste Ausstellung, die sich dem Leben und Wirken des Meisters widmet, findet vom 26.06.-01.11.2015 in Sachsen-Anhalt statt. An originalen Schauplätzen in Wittenberg, Dessau und Wörlitz präsentiert sie die wichtigsten und wertvollsten Kunstwerke der deutschen Renaissance. Im gesamten Stadtraum von Wittenberg wird außerdem mit zeitgenössischen Kunstprojekten, Ausstellungen, Jugendprojekten und anderen Veranstaltungen an die zentrale reformatorische Figur Lucas Cranach dem Jüngeren erinnert. Für ein Jahr wird aus der Lutherstadt Wittenberg so die Cranach City.

Luther und die Kurfürsten

Luthers reformatorisches Denken stieß längst nicht immer auf fruchtbaren Boden. Mit Thomas Müntzer etwa lieferte Luther sich enorme Wortschlachten, während in Deutschland ein wahrer Glaubenskrieg ausbrach. Nicht zuletzt aufgrund der blutigen Tendenzen dieser Auseinandersetzungen war Luther auf den Schutz und die Unterstützung der sächsischen Kurfürsten angewiesen. Deswegen findet vom 15.05-21.10.2015 die 1. Nationale Sonderausstellung zum Thema „Luther und die Fürsten. Selbstdarstellung und Selbstverständnis des Herrschers im Zeitalter der Reformation“ in Torgau statt.