Johannes Reuchlin

Philipp Melanchthon mit seiner Büste

Der Humanist Reuchlin als Weggefährte Philipp Melanchthons und Gegner Martin Luthers am Vorabend der Reformation

Johannes Reuchlin (1455 bis 1522) war ein bedeutender Philosoph und Humanist im Zeitalter von Renaissance und Reformation. Er war der Großonkel von Philipp Melanchthon, den er als Gelehrter der alten Sprachen in seinem Studium unterstützte.

Als Jurist, Diplomat und Professor war Reuchlin eng mit der Stadt Tübingen verbunden. Seine religiöse und politische Position hat sich in einer Vielzahl an Schriften erhalten, mit denen er das europäische Geistesleben am Beginn der Neuzeit prägte. Sein Wirken als Wegbereiter der Toleranz wurde besonders im Judenbücherstreit von 1511 deutlich, in dem Reuchlin das jüdische Schriftgut verteidigte und sich für den Dialog zwischen Juden und Christen einsetzte. 

Reuchlin an der Seite Melanchthons

In den frühen Jahren des Reformators Philipp Melanchthon, besonders während seiner Ausbildung an der Lateinschule in Pforzheim, war Johannes Reuchlin ein Förderer und Wegbegleiter Melanchthons. Im Jahr 1509 stand Reuchlin dem jungen Absolventen als Taufpate bei der sogenannten Lateintaufe zur Seite, bevor dieser an der Universität Heidelberg immatrikuliert wurde. 

Ihm verdankt Philipp Melanchthon im Übrigen auch seinen Namen. In einer 1509 gewidmeten griechischen Grammatik wurde aus dem begabten Philipp Schwartzerdt der Humanist Philipp Melanchthon (Mela=schwarz, Thon=Erd).

Die Kirchenreform Martin Luthers lehnte Reuchlin ab. Im Gegensatz zu Luther vertrat der Humanist einen offenen Umgang mit Andersgläubigen. In seinem letzten Lebensjahr brach er auch den Briefverkehr und Kontakt zu Melanchthon ab, der einst sein Schüler war. Als bedeutender Denker und Fürsprecher von Toleranz bleibt Johannes Reuchlin im Gedächtnis der europäischen Geistesgeschichte.