Die Meisterhäuser in Dessau

Meisterhaus in Dessau
Foto: IMG (Bader, Michael)

In wenigen Gehminuten erreichen Sie vom Bauhaus Dessau die Meisterhäuser, ein Musterbeispiel der weißen Moderne.

Gleichzeitig mit dem Bauhaus errichtete der Bauhausdirektor Walter Gropius in kurzer Entfernung die Meisterhaussiedlung, die aus einem Direktorenhaus und drei Doppelhäusern bestand. In den Häusern dieser Siedlung wohnten und arbeiteten die Lehrenden des Bauhauses, von den Bauhäusern schon seit Weimarer Zeiten nur „Meister“ genannt. Die Gebäude waren ganz im Sinne des Bauhauses angelegt und demonstrierten eine neue Art von Wohnen. Wie auch im Bauhausgebäude selber wurden die einzelnen Teile der Meisterhäuser ihrer Funktion entsprechend gestaltet. So stattete Gropius zum Beispiel die Ateliers mit großen, bodenlangen Fenstern aus, um die Inspiration fließen zu lassen und einen Eindruck von Freiheit zu schaffen. Am Anfang der 1920er Jahre stellten die kubischen Häuser den Inbegriff einer Künstlerkolonie dar.

Nachdem das Bauhaus 1932 durch politischen Druck der Nationalsozialisten aus Dessau wegzog, wurden die Meisterhäuser an die Junkers-Werke verkauft, die die Auflage bekamen, die „wesensfremden Gebäude“ umzubauen. Das Erscheinungsbild der Meisterhaussiedlung wurde dadurch wesentlich verändert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten Bomben dann das Direktorenhaus sowie das Haus Moholy-Nagy komplett.

Die Meisterhäuser Dessau heute

Meisterhaus Dessau
Foto: IMG (Bader, Michael)

Seit dem Jahr 1996 gehören die Meisterhäuser wie auch die anderen Bauhausbauten in Dessau und Weimar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Sanierung der noch bestehenden Häuser begann in den 1990er Jahren. Dabei wurden die Meisterhäuser in einen originalen Zustand zurückversetzt, wie zur Zeit der Bewohnung durch die Bauhausmeister. Die Außenfassaden sind wieder durch die markanten großen Fensterfronten geprägt, während im Inneren die Farbgebung der jeweiligen Bewohner wiederhergestellt wurde. Da die Innenfarben an die Bewohner des Hauses angepasst wurden, stellen die Räume heute nur den Zustand zu einer bestimmten Zeit dar. Gleichzeitig bringen sie die verschiedenen Persönlichkeiten der Künstler zum Ausdruck. 

Die Stiftung Bauhaus Dessau organisiert verschiedene Ausstellungen in den Meisterhäusern, die komplett für Besucher zugänglich sind. Außer dem Haus Muche/Schlemmer und der darin stattfindenden Ausstellung zu den ersten Hausbewohnern sowie zur Sanierung der Meisterhäuser können alle Gebäude inklusive ihrer Ausstellungen auch ohne Führung besichtigt werden. Im Doppelhaus Kandinsky/Klee finden gleich drei sehenswerte Dauerausstellungen statt: eine Dokumentation über die Maler Wassily Kandinsky und Paul Klee, eine Ausstellung zu den Wohnhäusern von Walter Gropius sowie eine Ausstellung zur Baugeschichte der Meisterhäuser. Das Haus Feininger beherbergt eine Dauerausstellung zum Leben in den Meisterhäusern und zu deren Einrichtung in verschiedenen Stilrichtungen. 

Öffnungszeiten

  • täglich 10 - 17 Uhr

Eintrittspreise

Einzelticket: 8,50 €/5,50 € (ermäßigt)
Gültig für den Eintritt in eine der Bauhausbauten (Bauhaus Museum Dessau oder Bauhausgebäude oder Meisterhäuser oder Konsumgebäude Dessau-Törten)

Kombiticket historische Bauten: 15,00 €/11,00 € (ermäßigt)
Gültig für den Eintritt in alle historischen Bauhausbauten (Bauhausgebäude, Meisterhäuser und Konsumgebäude Dessau-Törten)

    Die neuen Meisterhäuser

    Nach langer Diskussions- und Planungsphase wurden im Jahr 2014 die neuen Meisterhäuser eröffnet. An den Stellen, an denen in den 1920er und 30er Jahren die Häuser Gropius und Moholy-Nagy standen, wurden neue Gebäude errichtet, die an die Architektur von Walter Gropius erinnern. Die Neubauten sind dabei nicht einfach Nachbauten der damaligen Gebäude, sondern wurden mit Mitteln der zeitgenössischen Architektur errichtet. In der kubischen Bauweise findet sich der Stil der alten Meisterhäuser wieder, doch die kahlen Wände und zum Teil kaum lichtdurchlässigen Fenster zeugen von der Zerstörung und der Leere, die die echten Häuser hinterlassen haben. Viele Gäste befürworten die Mischung aus neuer Architektur und der Architektur des Bauhauses, doch einige Besucher stören sich an der Kargheit der Häuser, die nicht dem Bauhaus entspricht. Dennoch sind die alten Meisterhäuser mit ihrem farbenprächtigen Innenleben wie auch die neuen Meisterhäuser, die die Zerstörungsspuren nicht übertünchen, sondern sie zeitgenössisch auffüllen, einen Besuch wert. Im Haus Gropius erhalten Sie heute außerdem erste Informationen über die Meisterhaussiedlung.